Ich glaube, ich erzähle einfach mal die Vorgeschichte zu diesem Blog: Im Oktober 2003 kam mir in den Sinn Blut zu spenden. Ich fuhr also zur nächsten Schule und ließ mir dort eine Blutprobe entnehmen. Diese sollte untersucht werden und mir daraufhin ein Spenderausweis zugeschickt werden. Statt des Spenderausweises kam allerdings ein etwas dickerer Brief. In diesem wurde mir mitgeteilt, dass in meiner Blutprobe das HCV gefunden wurde. Ich möge doch bitte dringend meinen Hausarzt aufsuchen und von weiteren Blutspenden absehen.
HCV war allerdings schon eine Erleichterung für mich. Beim ersten Überfliegen des Briefes - ich dachte ja, es handelte sich um ein belangloses Anschreiben für den Spenderausweis - hatte ich noch HIV gelesen. Mit HCV konnte ich zunächst gar nichts anfangen. Alles, was ich wusste war, dass es eben kein HIV war. Immerhin etwas. Trotzdem verriet der Tonfall es Briefes, dass es sich hier nicht um eine leichte Erkältung handeln konnte.
Man muss HCV nur bei Google oder bei Wikipedia eingeben um festzustellen, worum es sich so ungefähr handelt (Der Wikipedia Artikel ist viel besser als noch vor 3 Jahren). Bei dem Stichwort Leberentzündung dachte ich noch, es könne ein Irrtum vorliegen. Einige Jahre vorher hatte ich Pfeiffersches Drüsenfieber, vielleicht wurde die Erkrankung damit verwechselt. Im Nachhinein war dieser Gedankengang natürlich Unsinn. Schließlich ist das Hepatitis C Virus lange genug bekannt, so dass auch verlässliche Tests existieren. Ein erneuter Test bei einem Internisten ergab schließlich den gleichen Befund.
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie ich mir das Virus eingefangen habe. Keine Tätowierungen, keine Blutsbrüderschaften als Kind, aber als Austauschschüler in Amerika mal einen Ohrring stechen lassen. Vielleicht wurde mir damals etwas mehr als nur ein Metallknopf ins Ohr gestochen. Leider lässt sich das HCV nicht so einfach aus dem Körper entfernen, wie ein einfacher Ohrring, von dem ich mich ein Jahr später wieder getrennt habe. Neben diesem möglichen Übertragungsweg gibt es aber noch einen zweiten: Als Frühgeborenes habe ich eine Blutkonserve erhalten. Damals war HCV noch nicht bekannt und somit das Blut nicht darauf getestet. Naja, immerhin kann ich die Ansteckung auf zwei Möglichkeiten beschränken, das ist für Hepatitis C ziemlich gut, denke ich.
Wenn sich nun herausstellt, dass man über 20 Jahre eine Leberentzündung gehabt haben könnte, dann stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Leber überhaupt noch in Ordnung ist. Die Leberwerte waren alle im Normalbereich, zur Sicherheit wurde allerdings noch eine Leberpunktion in einer nahe gelegenen Uniklinik durchgeführt. Dort wurde ein kleines Stück Leber entnommen, aber nicht mit Zwiebel- und Apfelstückchen zubereitet, sondern auf mögliche Schädigungen untersucht. Alles in allem eine relativ harmlose Sache. Die Punktion ist nicht das Schlimme, sondern die zwei Stunden danach. Vom Blutabnehmen kennt man, dass man auf die Einstichstelle drückt, damit sich die Wunde besser schließt. Leider kann man schlecht mit dem Daumen auf die Leber drücken. Was tut man also? Man legt sich für die Dauer der eben erwähnten zwei Stunden mit der Punktionsstelle auf einen kleinen Sandsack. Wer nicht nachvollziehen kann, dass es spätestens nach einer Stunde sehr unangenehm ist, kann es ja zu hause mal ausprobieren. Sand auf ein Geschirrtuch geben, Tuch zuknoten und beim Lesen zwei Stunden mit der Rippe drauflegen. Aber nicht bewegen!
Genug von meiner Krankenhausgeschichte, ich bin schließlich noch nicht so alt, dass ich abendfüllend von meinen Krankheiten erzählen kann. Die Ergebnisse der Leberpunktion waren übrigens erfreulich: Keine Anzeichen auf eine Schädigung der Leber. Jetzt kam allerdings auch eine schwierige Entscheidung auf mich zu: Abwarten und hoffen, dass es bald vernünftige Medikamente gibt oder gleich mit einer Interferon-Ribavirin Kombinationstherapie behandeln? Die Hepatitis C verlief bei mir offensichtlich relativ harmlos, so dass ich mich zunächst dafür entschied abzuwarten. Die möglichen Nebenwirkungen der Kombitherapie erschienen mir damals zu hart. So tat sich bei mir erstmal nichts, außer, dass ich weitestgehend auf Alkohol verzichten musste. Wenigstens war so immer klar, wer abends nach dem Discobesuch nach hause fährt.
"Jetzt schreibt der sechs Absätze und ich weiß immer noch nicht, warum es das Blog nun gibt!", mag der geneigte Leser nun innerlich raunen. Ich komme nun auch zur Sache. Eine kleine Vorgeschichte war mir wichtig. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bedanken, wer es bis hierher geschafft hat, den scheint meine Geschichte ja wirklich interessiert zu haben.
Es zogen also über drei Jahre ins Land und mein Studium näherte sich dem Ende. Von den erwarteten neuen, "besseren Medikamenten"™ war natürlich immer noch nichts zu hören. So stand ich vor der gleichen Entscheidung wie damals: Behandeln oder warten. Ein Blick auf mein zukünftiges Leben verriet, dass das Studienende vielleicht die einzige Auszeit wäre, die ich mir in den nächsten Jahren nehmen könnte. Ich hatte noch nicht mit meiner Diplomarbeit angefangen, so dass noch kein Zeitdruck bestand. Würde ich dieses Zeitfenster nun nicht nutzen, dann käme die Diplomarbeit, der Berufseinstieg und danach die Gründung einer Familie. Alles Phasen, wo man sich schlecht ein Jahr lang hängen lassen kann. Der nächste Mögliche Therapiezeitpunkt wäre also erst in sechs oder sieben Jahren.
Nun, man wird nicht jünger und ich bin der Überzeugung, dass man in jungen Jahren eine Therapie besser verkraften könnte als später. So entschied ich mich nun doch, eine Interferon-Ribavirin Therapie durchzuführen. Ich hatte mir Infomaterial und Packungsbeilagen im Umfang eines Quelle-Katalogs (Anm. Übertreibung) durchgelesen und war gespannt, was aus der großen Liste von Nebenwirkungen auf mich zukommen würde. Ein Blog, denke ich, ist ein guter Weg mit den möglichen Nebenwirkungen (v.a. Niedergeschlagenheit und Depression) fertig zu werden. Läuft es schlecht, dann kann ich durch das Schreiben damit fertig werden, läuft es gut, dann helfen meine Erfahrungen vielleicht Anderen.
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