Alle Trauer, aller Kummer, das ständige Grübeln nach dem Sinn, all dies ändert nichts an der Tatsache, dass mein Vater nicht mehr bei uns ist. Die Endgültigkeit der Ereignisse sickert langsam in mein Bewusstsein. Dieses schrittweise Begreifen ist eine einmalige Schutzfunktion des Körpers. Sicher wäre ich in einer Welle der Verzweifelung untergegangen, hätte ich die Tragweite der Ereignisse auf einen Schlag realisiert. Es war so schon schlimm genug.
Mein Vater war selbstständig. Die letzten Tage bin ich ins kalte Wasser gesprungen und habe die Geschäfte meines Vaters so gut es ging weiter geführt. Glücklicherweise kann ich mir die Arbeit mit meinem Bruder teilen. Alleine wäre es extrem schwierig, sich um die Dinge im Büro zu kümmern und gleichzeitig alle anstehenden Behördengänge zu erledigen. Der starke familiäre Zusammenhalt gibt mir viel Kraft. Wie bei einem Dreibein lehnt sich Jeder an den Anderen an, so dass Jeder Jeden stützt.
Ich erledige Dinge, die ich mir vor zwei Wochen nie zugetraut hätte. Das was man tut, tut man, weil man es eben tun muss. Ich fühle mich wie beim Fahrrad fahren lernen:
Mein Vater schiebt mich an, läuft neben mir her und hält mich fest, bei jeder Unsicherheit ist er für mich da. Irgendwann, das wusste ich, wird er loslassen, nur den Zeitpunkt kannte ich nicht. Vorletzen Sonntag hat er losgelassen und nun fange ich besser an zu strampeln. Ich hoffe nur, dass ich genug Schwung mitgenommen habe, aber eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass es reicht. Obwohl ich vor lauter Schlingern noch nicht zurückblicken kann, sehe ich seinen stolzen Gesichtsausdruck vor mir, als er seinen Sohn fahren sieht.
Trost bietet mir die Überzeugung, dass er sich nun nicht mehr mit den Lasten dieser Welt herumplagen muss. Es gibt ein Urlaubsfoto, wo mein Vater in einem Strandkorb liegt und sich die Sonne auf den Pelz brennen lässt. Ich hoffe, dass es ihm nun genau so geht.
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