Gestern habe ich mich mit dem Nachbarn meiner Eltern, auch einem Arzt, darüber unterhalten, wie viel Selbstbeschaffung von Informationen für einen Patienten sinnvoll ist. Damit mir mein behandelnder Arzt nicht jede Kleinigkeit erklären muss, versuche ich mir einen großen Teil der Informationen anzulesen. Als mir bei der telefonischen Anfrage meiner Blutwerte mitgeteilt wurde, dass die weißen Blutkörperchen absinken und man nächstes Mal die Anzahl der neutrophilen Leukozyten bestimmen müsste, habe ich nachgeschlagen, was das genau ist.
Prinzipiell, so der Nachbar meiner Eltern, sei das auch sehr wünschenswert. Manchmal hat man schon viel Mühe, einer betroffenen Person den medizinischen Sachverhalt klarzumacen. Ein aufgeklärter, informierter Patient fragt auch eher nach, wenn er etwas nicht verstanden hat. Als Arzt, kann man auch relativ schnell herausfinden, wo das Wissen aufhört und wo das Halbwissen anfängt. Man lässt den Patienten einfach erzählen und hakt zwei, drei Mal nach.
Da letztlich der Patient alle Entscheidungen selbst treffen muss, ist ein hoher Grad an Wissen über die eigene Erkrankung meiner Meinung nach unerlässlich. Die Warnung, die ich allerdings aus diesem Gespräch mitgenommen habe ist, dass das Pendel nicht in die andere Richtung ausschlagen darf. Während mein Grundlegendes über die Funktionsweise der Leber noch nachlesen kann sollte man nicht im Internet nach alternativen Therapieansätzen recherchieren. Wenn man etwas über eine Phase 1 Studie liest, sollte man nicht denken, dass das in nächster Zeit etwas wird.
Schlimm ist, wenn man durch solche selbst beschafften Informationen beratungsresistent wird, da man ja selbst alles besser weiß. Die Vorgänge im Körper sind zu komplex, als dass man sie sich via Google mal eben aneignen könnte. Deswegen dauert die Ausbildung zum Mediziner ja auch so lange. Jede Krankheit hat außerdem einen völlig individuellen Verlauf. Wenn zwei Personen an Hepatitis C erkrankt sind, dann heißt das nur, dass die Krankheit gleichartig verläuft, aber nie genau gleich. Daher kann man eben nicht Fallberichte eins zu eins auf sich selbst übertragen.
Bei all der Flut von Informationen, die man sich beschaffen kann sollte man den Arzt als kompetenten Ansprechpartner nie vergessen. Bisher hatte ich die Einstellung, dass ich meinem Arzt nur zuarbeiten, aber mich nicht alleine therapieren kann. Damit bin ich bisher auch sehr gut zurechtgekommen.
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