18 November 2006

Neid

Wenn man nachts wach liegt, dann grübelt man über viele Dinge nach. Unter anderem beschlich mich ein Gefühl, welches ich gar nicht gewöhnt war: Eifersucht. Nun bin ich eigentlich ein gänzlich uneifersüchtiger Mensch, ich bin der festen Überzeugung, dass eine Beziehung auf Vertrauen basieren muss. Wenn man anfängt eifersüchtig zu sein, dann hat man sich selbst der wichtigsten Grundlage seiner Beziehung beraubt.

Ausgangspunkt meiner Gedanken war der Studienbeginn meiner Freundin. Sie lernt viele neue Freunde kennen und ich bin momentan mitunter nicht der angenehmste Zeitgenosse. Trotzdem ist
mein Vertrauen in meine Freundin ungebrochen. Gerade heute abend sind wir mit vielen ihrer neuen Freundinnen und Freunde ausgegangen. Ich kam mit allen gut zurecht und muss mir nun wirklich keine Sorgen machen. Also wundere ich mich, woher dieses Gefühl kommt.

Beim weitern Nachdenken fiel mir dann plötzlich auf, dass es sich gar nicht um Eifersucht handelt, sondern um ein ganz ähnliches Gefühl: Neid. Gerade, weil ich den neuen Freundeskreis meiner Freundin sehr symphatisch finde, bin ich neidisch. Ich bin neidisch darauf, dass sie jeden Tag viele nette Leute um sich hat. Ich vermisse meinen alten Freundeskreis, den ich nun nur noch ein bis zwei Mal die Woche sehen kann. Vor dem Umzug war er noch so unmittelbar vorhanden, ein kurzer Anruf genügte und man konnte sich treffen. Zwar bin ich nur 60 km weit weg gezogen, aber trotzdem will nun jeder Besuch geplant werden. Ich mache weder Geld noch Benzin selbst. Leider.

Ich denke, meine Integration in den neuen Freundeskreis wird nicht ganz einfach. Der Altersunterschied, ich bin ungefähr fünf Jahre älter, ist zwar vorhanden, aber kein Hindernis. Die Schwierigkeit liegt meines Erachtens darin, dass der komplette neue Freundeskreis das Medizinstudium gerade begonnen hat, während ich mein Studium der Wirtschaftsinformatik demnächst abschließen werde. Die Diskussionen, ob es sich nun lohnt zu Vorlesungen zu gehen oder nicht, habe ich schon selbst zur Genüge geführt. Ich werde sicher gemeinsam mit meiner Freundin viel mit ihren neuen Freunden unternehmen, kann mir aber nicht vorstellen mich ohne sie mit ihnen zu treffen.

Ganz so fatalistisch möchte ich den Post aber nicht abschließen: Da ich die Zukunft(tm) nicht voraussagen kann, könnte sich die ganze Sache auch viel besser entwickeln. Mein Gefühl der Entwurzelung liegt auch daran, dass die DSL-Leitung samt Flatrate noch nicht geschaltet ist. Die Kommunikation via E-Mail, Instant Messenger oder Voice over IP, die ich zuvor sehr rege genutzt habe, beschränkt sich momentan auf ein Minimum. Auch könnte ich wieder anfangen World of Warcraft zu spielen. So treffe ich einige meiner alten Freunde zumindest virtuell.

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