16 Januar 2007

Mein Computer und ich

Als Informatiker hat man eine besondere Beziehung zu seinem Computer. Was für einen Koch seine Messer sind, das ist der Computer für einen Informatiker.

In diesem, meinem, Rechner, vor dem ich nun sitze, steckt viel, viel Arbeit. Angefangen bei der sorgfältigen Auswahl der Komponenten, über die Geräuschdämmung bis hin zur Installation des Betriebssystems. Anstelle des High-End Prozessors habe ich das Geld lieber in eine Grafikkarte mit zwei DVI-Ausgängen, leise Festplatten und leise Gehäuselüfter investiert. Neben mir am Schreibtisch stand also ein PC, der eine ordentliche Rechenleistung flüsterleise bereitstellte und zudem noch auf Wunsch Musik, Videos oder Fernsehbilder per Fernbedienung abspielte. Alles in Allem war ich sehr zufrieden, nur der zweite Monitor fehlte noch.

Bei dem gestrigen Versuch, meine USB-Festplatte an den Rechner anzuschließen war es mit der IT-Idylle dann vorbei: Ich muss wohl mit dem USB-Stecker an beide USB-Buchsen gleichzeitig gekommen sein und damit einen Kurzschluss produziert haben. Auf jeden Fall wurde der Bildschirm schwarz, das CD-Rom drehte hoch und ich trat auf den Ausschalter der Mehrfachsteckdose. Nach einem kurzen Durchatmen schaltete ich die Steckdose wieder ein und drückte auf "AN"... Nichts passierte.

Ich bin nicht viel weiter belastbar in diesen Tagen. Die Aufgaben, die vor mir liegen reichen völlig aus. Ich verwalte mehrere Mietshäuser, führe den Rest eines Architekturbüros, muss ein Auto und ein Haus verkaufen und unzählig viele Abmeldungen, Anträge und Formulare ausfüllen. Ich will endlich meine Studienarbeit abgeben, bin selbstständiger IT-Dienstleister, habe einen Hiwi-Job an meiner Universität und muss mich in nächster Zeit um meine Diplomarbeit bewerben. Ein kaputter Rechner ist das letzte, was ich gebrauchen kann, zumal er für mich einen hohen emotionalen Stellenwert einnimmt und mein Arbeitsgerät ist. Nicht jeder schraubt um 01:00 Uhr noch seinen Rechner auf.

Diagnose:
Der Einschaltimpuls entsteht durch Verbindung zweier Kontakte auf dem Motherboard. Das Board gibt diesen dann an das Netzteil weiter. Selbst ein leeres Motherboard ohne weitere Komponenten kann ein Netzteil einschalten. Daher beschränkt sich der Schaden hoffentlich auf Einschaltknopf, Motherboard oder Netzteil. Prozessor, Speicherriegel oder Grafikkarte können bei einem Kurzschluss jedoch auch leicht kaputt gehen und das wird dann teuer.
  1. Einschaltknopf: Manuelles Kurzschließen der beiden Pins auf dem Board hilft auch nicht, also kann es der Einschaltknopf nicht alleine sein. Es war auch eher unwahrscheinlich, dass der Knopf irgendwie nicht funktionieren könnte.
  2. Motherboard: Sollte dieses kaputt sein, dann könnte es auch ein anderes Netzteil nicht einschalten. Also das alte Netzteil hervorgeholt, an das Board angeschlossen und die beiden Pins mit dem Schraubenzieher kurzgeschlossen. Gott sei Dank sprang es an. Das Board war also in Ordnung.
  3. Gegenprobe Netzteil: Altes Motherboard hervorgeholt, das kaputte Netzteil angeklemmt und versucht einzuschalten. Nichts passierte. q.e.d.
Ein Netzteil baue ich auch mit einer auf den Rücken gebundenen Hand um. Es blieb nur die bange Frage, ob es noch andere Komponenten erwischt haben könnte. Ich hatte Glück im Unglück. Der Schaden beschränkte sich auf das Netzteil. Nun lärmt wieder das alte Enermaxx Netzteil im Rechner und ich muss wohl einen Ausflug zu Silentmaxx starten. Dort muss ich mich allerdings immer sehr zusammenreißen nicht gleich den ganzen Laden zu kaufen. Wie schon erwähnt habe ich ein Faible für leise PCs (allerdings ziehe ich Leise Lüfter den ungelüfteten Modellen vor).

Nun kann ich also wieder mit meinem Rechner bloggen. Im Rückblick haben sich alle Komponenten gegen mich verschworen, die nicht von namhaften Herstellern kamen. Die Frontblende kam von Revoltec, das Netzteil von deren Tochterfirma BeQuiet. Nun werde ich wohl wieder auf höherwertige Komponenten setzen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass es keine Probleme mit der Hinterbliebenenversorgung gibt.


Ich weiß auch nicht, warum mir diese Geschichte so zu Herzen gegangen ist. Meine erste Reaktion war "auch das noch". Ich frage mich, was ich im Leben falsch gemacht habe, dass ich all das verdient habe. Im Vergleich ist mein Rechner nur eine Sache, ein Ding, Kram, Krempel, Plunder, Müll. Müll, den man halt repariert. Wenn mein Computer kaputt ist, dann tausche ich ein Teil aus und er läuft wieder. Selbst, wenn ich Hepatitis C mit dem schlechtesten Genotyp habe, nehme ich ein paar Pillen, gebe mir Spritzen und werde mit 50%iger Wahrscheinlichkeit wieder gesund.

Genau hier hören meine Möglichkeiten auf.

Ich will fluchen, schreien, Dinge durch die Gegend werfen, aber es ändert ja doch nichts. Und nun sitze ich hier mit meinem Kummer und tippe und tippe und tippe.

07 Januar 2007

2:0 für die Pharma-Industrie

Nachdem ich ja schon geschrieben hatte, dass sich meine Leukozytenzahl erwartungsgemäß reduziert hatte, setzte sich dieser Trend weiter fort. Diese Woche waren es nur 2200 Leukozyten bei 26% segmentkernigen. Das sind 572 segmentkernige Leukozyten. Bei einer Abbruchgrenze von 500 Stück ist das schon wieder hart am Limit.

Der Empfehlung der nahe gelegenen Uniklinik folgend, setzte ich diese Woche die Spritze aus und gebe sie mir erst nächste Woche. Effektiv verringert sich damit meine Dosis auf ein Viertel. Trotzdem bin ich guter Dinge, da die Therapie immer noch anschlägt.

Lasse ich Schulmedizin und Alternativmedizin gegeneinander antreten, so sieht die Sache wie folgt aus:

Für die Schulmedizin treten an:
  1. Ribavirin und Interferon machen ihre Sache bisher gut. Es gibt zwar einige Nebenwirkungen, aber irgendwas ist ja immer.
  2. Die gegen die Nebenwirkungen eingesetzten Medikamente Spasyt (gegen Harndrang) und Benuron (Paracetamol gegen die Grippesymptome) habe ihre Aufgaben bisher auch erfüllt.
Für die Alternativmedizin treten an:
  1. Esberitox zur Anregung des Immunsystems, bisher ohne Wirkung
  2. Alfalfa zur Anregung des Immunsystems, bisher ohne Wirkung
Momentan gewinnt also die Schulmedizin mit 2:0.
Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass die Pharma-Industrie bisher € 10.000 von der Krankenkasse verlangt hat und die Alternativen Präparate bisher mit ca. € 100 auskommen mussten. Ich will den Präparaten ihre Wirkung nicht absprechen. In meinem Fall kommt der Alternativ-David momentan aber nicht gegen den Interferon-Goliath an.

06 Januar 2007

Achtung! Sie lesen ein Spam-Blog!

Vor kurzem erschien beim Veröffentlichen von Posts unter dem Eingabefeld noch ein weiteres Feld. Hierbei handelte es sich um die Eingabe für eine Wortbestätigung, eine Art verzerrten Text, den Menschen zwar noch lesen, Maschinen aber schlecht automatisch erkennen können. Dies hat zwar das posten nicht verhindert, war aber lästig. Zunächst dachte ich, dass es sich um eine neue Funktion von Blogger.com handeln könnte. In den Einstellungen konnte man aber nur die Wortbestätigung für Kommentare ein- und ausstellen. Nach einem Click auf das kleine Fragezeichen neben dem Eingabefeld, wurde es mir dann offenbart:

Mein Blog wurde als Spam-Blog eingestuft.

Laut der automatischen Spam-Erkennung von Blogger.com gehöre ich also zu der Art Mensch, die friedliebenden Internetnutzern Möglichkeiten zur Penisverlängerung offerieren. Schon im Hilfetext stand allerdings die erste Entschuldigung. (Blogger.com hatte richtig angenommen, dass der Leser des Hilfetexts wohl kaum ein Spam-Roboter ist und es sich beim Leser daher nur um einen fälschlicherweise beschuldigten Blogger, wie mich, handeln kann.) Nach einer Erklärung, dass die automatische Spam-Erkennung von Blogger.com nun einmal auch Fehler machen kann und einer weiteren Entschuldigung, wurde mir angeboten, eine manuelle Prüfung durch einen Blogger.com Mitarbeiter zu veranlassen. Gesagt Gelesen, Getan. Am nächsten Tag hatte ich es dann schwarz auf weiß:
Your blog has been reviewed, verified, and cleared for regular use so that it will no longer appear as potential spam.
Das wäre ja auch noch die Höhe! Ich kann ja verstehen, wenn sich kein Schwein für mein Blog interessiert noch nicht viele Menschen auf mein hochwertiges Informationsmaterial aufmerksam geworden sind, aber mich deswegen gleich als Spammer abzustempeln hätte ja noch gefehlt.

So weit ist es ja nicht gekommen. Man kann also getrost weiterlesen, ohne fürchten zu müssen, dass ich derweil Maß nehme.

05 Januar 2007

Guter Therapieverlauf trotz Pause

Am Ende meiner nun 6-wöchigen Pause wurde die Viruslast erneut bestimmt. Erwartet hätte ich, dass es zu einem erneuten Anstieg der Virenzahl kommt, da ich mir über einen längeren Zeitraum kein Interferon gespritzt habe. Das Ergebnis war dann aber viel besser als erwartet: HCV-RNA immer noch unter der Nachweisgrenze!

Das bedeutet nun, dass trotz der Leukopenie und den damit verbundenen Widrigkeiten (häufige Blutuntersuchungen, Therapiepausen und -verlängerung sowie die Reduktion der Dosis) eine Chance auf Heilung besteht. Offensichtlich helfen bei mir ja auch 90µg Interferon. Bei meinem Termin in der Lebersprechstunde der nahe gelegenen Uniklinik wurde mir sogar empfohlen, die Dosis auf 90µg alle zwei Wochen zu reduzieren um den Therapiepausen zu entgehen. Lieber langfristig den Wirkstoffspiegel halten.

Meine Annahme aus dem letzten Post hat sich allerdings quasi bestätigt. Der wahrscheinlichste Grund für den Leukozyten-Rekord war meine Mandelentzündung. Dieses Mal waren die Leukozyten bei 3000 und 46% Segmentkernigen. Nach 6 Wochen Pause ist das für mich ein guter, aber auch kein überragender Wert. Ich denke, damit hat sich das Esberitox endgültig disqualifiziert. Dem Alfalfa gebe ich noch eine Chance, werde die Wirkung aber kritisch beobachten: Wenn ich in diesem Stint meine Leukozyten für 10 Wochen über der Abbruchgrenze halten kann, dann werte ich die Einnahme als Erfolg, andernfalls als Misserfolg.